Ziegelarten Vergleich

Hochlochziegel vs. Backstein

Wer sein Haus modernisieren möchte, stößt früher oder später auf einen klassischen Ziegelarten-Vergleich: Hochlochziegel gegen Backstein. Beide Materialien sind seit Generationen bewährt, doch ihre Eigenschaften unterscheiden sich erheblich – besonders wenn es um Wärmedämmung, Energieeffizienz und die Anforderungen moderner Heizsysteme geht. Für Eigentümer, die sanieren, umbauen oder den energetischen Standard ihrer Immobilie verbessern wollen, ist dieses Wissen kein akademisches Detail, sondern eine handfeste Entscheidungsgrundlage.

Was ist ein Hochlochziegel – und was ist ein Backstein?

Der Begriff Backstein bezeichnet einen vollständig gebrannten, weitgehend massiven Ziegel aus Ton oder Lehm. Er ist seit Jahrhunderten im Einsatz, robust, druckfest und optisch markant – vor allem in Norddeutschland, aber auch in historischen Beständen im Stuttgarter Raum ist er vielfach anzutreffen. Seine Stärke liegt in der Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit, nicht in der Wärmedämmung.

Der Hochlochziegel ist eine Weiterentwicklung des klassischen Ziegels. Er enthält senkrecht verlaufende Hohlräume, sogenannte Lochungen, die einen erheblichen Teil des Ziegelvolumens ausmachen. Diese Lochung ist kein Qualitätsmangel, sondern gezielt eingesetzt: Sie reduziert das Gewicht und verbessert die Wärmedämmeigenschaften deutlich.

In der Praxis ist der Hochlochziegel heute der Standardziegel im deutschen Neubau. Backsteine hingegen finden sich vor allem in Bestandsgebäuden oder werden gezielt eingesetzt, wenn eine besondere Optik oder eine sehr hohe Druckfestigkeit gefragt ist.

Ziegelarten-Vergleich: Wie unterscheiden sich die Dämmeigenschaften?

Der entscheidende physikalische Unterschied liegt im Wärmedurchgangskoeffizienten, dem sogenannten U-Wert. Je niedriger dieser Wert, desto weniger Wärme geht durch die Wand nach außen verloren. Ein massiver Backstein besitzt einen deutlich höheren U-Wert als ein moderner Hochlochziegel gleicher Wandstärke – er lässt also mehr Wärme durch.

Hochlochziegel erzielen durch ihre Lochstruktur einen spürbar niedrigeren U-Wert. Spezielle Ausführungen mit sehr feiner Lochung und zusätzlich eingefüllter Mineralwolle oder Perlit erreichen Dämmwerte, die eine zusätzliche Außendämmung in vielen Fällen überflüssig machen. Das ist für Eigentümer relevant, die eine möglichst schlanke Außenwand ohne aufwändiges Wärmedämmverbundsystem anstreben.

Für den Ziegelarten-Vergleich gilt: Beide Ziegeltypen sind nicht gleichwertig, wenn es um Energieeffizienz geht. Wer ein Gebäude mit Backsteinwänden besitzt und modernisieren will, muss in der Regel mit zusätzlichen Dämmsystemen arbeiten. Bei Hochlochziegeln hängt es stark vom Baujahr und der konkreten Ausführung ab.

Warum Lufteinschlüsse im Ziegel so wichtig sind

Wärme überträgt sich auf drei Wegen: durch Wärmeleitung, durch Konvektion und durch Strahlung. Feststoffe leiten Wärme gut. Ruhende Luft hingegen ist ein sehr schlechter Wärmeleiter – sie dämmt. Genau dieses Prinzip nutzt der Hochlochziegel. Die eingeschlossene Luft in den Hohlräumen kann nicht zirkulieren und transportiert daher kaum Wärme nach außen.

Je kleiner und zahlreicher die Luftkammern, desto effektiver ist die Dämmwirkung. Moderne Hochlochziegel mit sehr feiner Lochgeometrie nähern sich deshalb in ihren Dämmeigenschaften externen Dämmstoffen an. Das Prinzip ist vergleichbar mit einer Doppelverglasung: Nicht das Glas dämmt, sondern die ruhende Luftschicht dazwischen.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Dämmwirkung und Gebäudestruktur zusammenhängen, findet weiterführende Informationen zur PU-Dämmung und ihrer Nachhaltigkeit in einem verwandten Beitrag. Die Grundprinzipien des Wärmeschutzes gelten dabei materialübergreifend.

Ziegelarten-Vergleich: Praxisbeispiel Altbausanierung

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren im Stuttgarter Umland, errichtet mit massiven Backsteinwänden ohne jede Dämmung. Die Heizkosten sind hoch, das Gebäude verliert im Winter erheblich Wärme über die Außenwände. Der Eigentümer möchte sanieren und prüft, welche Maßnahmen sinnvoll sind.

In diesem Fall reicht ein Austausch der Heizungsanlage allein nicht aus. Die Gebäudehülle ist das eigentliche Problem. Eine nachträgliche Außendämmung oder eine Innendämmung wäre nötig, um den Energieverbrauch spürbar zu senken. Hätte das Haus von Beginn an mit modernen Hochlochziegeln gebaut worden, wäre die Ausgangssituation deutlich günstiger.

Dieser Vergleich zeigt, warum der Wandaufbau für die Heizlastberechnung so entscheidend ist. Die Heizlast – also die Wärmemenge, die ein Gebäude bei größter Kälte benötigt – hängt direkt vom U-Wert der Außenwände ab. Ein Gebäude mit Backsteinwänden hat bei gleicher Fläche eine deutlich höhere Heizlast als ein vergleichbares mit gut gedämmten Hochlochziegeln.

Feuchtigkeitsverhalten und Schimmelschutz

Neben der Wärmedämmung spielt das Feuchtigkeitsverhalten eine wichtige Rolle. Ziegel sind grundsätzlich diffusionsoffen – sie lassen Wasserdampf durch, ohne ihn einzuschließen. Das ist ein Vorteil gegenüber einigen synthetischen Dämmstoffen. Sowohl Backstein als auch Hochlochziegel regulieren Feuchtigkeit gut, solange sie nicht mit dampfbremsenden Schichten kombiniert werden, die den Feuchtetransport behindern.

Problematisch wird es, wenn im Zuge einer Sanierung Innendämmung eingebaut wird, ohne den Taupunkt korrekt zu berücksichtigen. Der Taupunkt bezeichnet jene Stelle in der Wand, an der Wasserdampf kondensiert und flüssig wird. Verschiebt sich dieser Punkt in die falsche Zone, entsteht Feuchtigkeit im Wandinneren – und damit Schimmel. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Schimmelgefahr durch Taupunktverschiebung.

Beim Hochlochziegel ist dieses Risiko in der Regel geringer, weil die Wand bereits von sich aus einen niedrigeren U-Wert mitbringt und weniger Zusatzdämmung benötigt. Weniger Schichten bedeuten weniger potenzielle Fehlstellen im Wandaufbau.

Was bedeutet das für Ihre Heizungsplanung?

Die Wahl des Wandmaterials beeinflusst unmittelbar, welche Heizungsanlage sinnvoll ist. Moderne Wärmepumpen arbeiten am effizientesten, wenn die Vorlauftemperatur niedrig gehalten werden kann. Das gelingt nur, wenn die Gebäudehülle gut gedämmt ist. Ein Haus mit ungedämmten Backsteinwänden ist für eine Wärmepumpe ohne vorherige Sanierung der Außenwände in der Regel keine gute Ausgangsbasis.

Hochlochziegel mit guten Dämmeigenschaften schaffen dagegen bessere Voraussetzungen für den Einsatz moderner Heizsysteme. Sie ermöglichen niedrigere Systemtemperaturen, was den Wirkungsgrad von Wärmepumpen verbessert. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) stellt hierzu umfangreiche Informationen zur energieeffizienten Gebäudesanierung bereit.

Eigentümer, die eine Wärmepumpe planen, sollten daher zuerst den Wandaufbau analysieren lassen. Erst wenn die Gebäudehülle stimmt, kann die Heizungsanlage optimal ausgelegt werden. Andernfalls investieren Sie in eine leistungsstarke Anlage, die das Haus trotzdem nicht effizient beheizen kann.

Welcher Ziegel passt zu welchem Vorhaben?

Für Neubauten ist der Hochlochziegel in seiner modernen Ausführung in den meisten Fällen die erste Wahl, wenn Massivbauweise gewünscht ist. Er erfüllt aktuelle energetische Anforderungen ohne aufwändige Zusatzdämmung und ist dabei robust, diffusionsoffen und langlebig. Die Verbraucherzentrale gibt einen guten Überblick, wann sich energetische Sanierungsmaßnahmen grundsätzlich lohnen.

Für Bestandsgebäude mit Backsteinwänden gilt: Das Material selbst ist nicht das Problem, sondern der fehlende Wärmeschutz. Nachträgliche Dämmsysteme – außen oder innen – können die Situation verbessern, erfordern aber sorgfältige Planung. Besonders bei Innendämmung ist fachkundige Beratung unverzichtbar, um Schimmelschäden zu vermeiden.

Backsteine behalten ihre Berechtigung überall dort, wo Optik, Druckfestigkeit oder Denkmalschutz Vorrang haben. In solchen Fällen muss der Wärmeschutz durch andere Maßnahmen sichergestellt werden. Ein pauschales Urteil zugunsten eines einzigen Ziegeltyps wäre deshalb falsch – es kommt immer auf den konkreten Anwendungsfall an.

Fazit

Der Ziegelarten-Vergleich zwischen Hochlochziegel und Backstein zeigt klar: Wer Wärmedämmung und Energieeffizienz in den Vordergrund stellt, liegt beim Hochlochziegel richtig. Die eingeschlossenen Luftkammern leisten als natürliche Dämmschicht gute Arbeit, ohne dass zwingend zusätzliche Dämmsysteme nötig sind. Für Bestandsgebäude mit massiven Backsteinwänden bedeutet das: Energetische Sanierung ist aufwändiger, aber möglich – und in vielen Fällen wirtschaftlich sinnvoll, weil eine gut gedämmte Immobilie langfristig an Wert gewinnt. Ein vollständiger Ziegelarten-Vergleich auf Basis Ihres konkreten Gebäudes ist der erste Schritt zu einer fundierten Sanierungsentscheidung.

Sie möchten wissen, welches energetische Potenzial Ihre Immobilie hat und welche Maßnahmen sich wirklich lohnen? Ein unabhängiger Energieberater kann Ihren Wandaufbau analysieren, die Heizlast berechnen und konkrete Empfehlungen für Ihre Situation geben. Sprechen Sie mit einem Fachmann, bevor Sie investieren.

Häufige Fragen

Dämmt ein Hochlochziegel wirklich besser als ein Backstein?

Ja, das ist korrekt. Die Hohlräume im Hochlochziegel enthalten ruhende Luft, die Wärme schlecht leitet und dadurch eine Dämmwirkung erzeugt. Ein massiver Backstein ohne Lochung leitet Wärme deutlich besser und damit schlechter für die Energiebilanz eines Gebäudes. Der Unterschied ist physikalisch begründet und nicht abhängig vom Hersteller.

Kann ich ein Backsteingebäude nachträglich auf den Standard eines Hochlochziegelbaus bringen?

In der Energiebilanz ja – durch eine fachgerecht ausgeführte Außen- oder Innendämmung. Die Wandkonstruktion selbst lässt sich nicht verändern, aber der Wärmeschutz kann durch zusätzliche Schichten deutlich verbessert werden. Entscheidend ist die korrekte Planung, damit kein Taupunkt in der falschen Zone entsteht und kein Schimmel gebildet wird.

Sind Hochlochziegel auch für Altbauten geeignet?

Hochlochziegel wurden in Deutschland ab den 1950er-Jahren zunehmend eingesetzt und sind heute Standard im Neubau. Ältere Bestände aus der Gründerzeit oder früher bestehen fast ausschließlich aus Vollziegeln oder Backsteinmauerwerk. Wer einen Altbau saniert, kann moderne Hochlochziegel bei Anbauten oder Neumauerarbeiten einsetzen, bestehende Wände lassen sich jedoch nicht umrüsten.

Spielt der Ziegeltyp eine Rolle bei der Wärmepumpenplanung?

Ja, und dieser Zusammenhang wird häufig unterschätzt. Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt stark von der Vorlauftemperatur ab, die wiederum vom Wärmeverlust der Gebäudehülle bestimmt wird. Ein Haus mit ungedämmten Backsteinwänden benötigt höhere Vorlauftemperaturen, was den Wirkungsgrad der Wärmepumpe mindert. Gut gedämmte Hochlochziegelwände schaffen bessere Voraussetzungen für einen effizienten Betrieb.

Ist der Rückbau oder Abriss von Backsteingebäuden sinnvoll, wenn die Dämmwerte schlecht sind?

Nein, das ist in der Regel weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll. Die im Bestandsgebäude gebundene Energie – die sogenannte graue Energie – ist erheblich. Eine energetische Sanierung der bestehenden Substanz ist fast immer die nachhaltigere Lösung. Rückbau kommt allenfalls bei schweren Bauschäden oder wirtschaftlich nicht sanierbaren Gebäuden infrage.